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Wie Uwe Reppegather 1,6 Milliarden Euro Forderungen erledigte

von Michael Verfürden, René Bender und Sönke Iwersen
Handelsblatt vom 13.02.2026

Inhalt: Porträt von Uwe Reppegather, der sich nach dem Zusammenbruch seines Düsseldorfer Immobilienunternehmens und seiner Privatinsolvenz im Jahr 2023 im Gegensatz zu Kollegen wie René Benko erfolgreich rehabilitierte und heute wieder in der Branche tätig ist. Der Artikel schildert Werdegang und Geschäftsmodell des Unternehmers und geht Vorwürfen nach, Reppegather habe sich auf Kosten Dritter saniert - die Gläubigerquote im Insolvenzprozess betrug 0,72 Prozent. Reppegather habe vor der Insolvenz Vermögenswerte in großem Stil an Familienangehörige und Freunde übertragen (Immobilien, Luxusautos, Schmuck, Yacht), alle Transaktionen seien angeblich durch den Insolvenzverwalter geprüft worden.

Sie sehen nachfolgend den reinen Text in der anonymisierten Form für die Jury. Bilder, Layout oder multimediale Umsetzung sind beim Deutschen Journalistenpreis kein Bewertungskriterium. Allein das Wort zählt. Tabellen und Grafiken werden in einem separaten PDF zugänglich gemacht.


Wie Uwe Reppegather 1,6 Milliarden Euro Forderungen erledigte

Wer dem Centrum-Chef 10.000 Euro lieh, sah nur 72 Euro wieder. Heute ist er wieder groß im Geschäft. Insider sagen: Reppegather habe sich auf Kosten Dritter rehabilitiert.

Ein 1500 Quadratmeter großes Grundstück, eine Bowlingbahn, ein Weinkeller. Wer im Massageraum entspannt, blickt nach oben durch den Poolboden aus Glas in das azurblaue Wasser. Die Sicht auf das Mittelmeer: unverbaubar.
Die Finca „Ses Planes d’en Furnet“ war Uwe Reppegathers privates Monument auf Ibiza. Mehr als 15 Millionen Euro soll der Düsseldorfer Immobilienunternehmer Insidern zufolge in das Anwesen investiert haben, der Verkehrswert sei mit 30 Millionen Euro taxiert worden.
Im Mai 2023 wechselte die Villa den Besitzer – zu einer Bewertung von rund fünf Millionen Euro. Die neue Eigentümerin: Reppegathers Ehefrau Vanda.
Anfang Juli brach Reppegathers Centrum-Gruppe zusammen, am 15. August 2023 folgte die private Insolvenz des Patrons. Die Forderungen gegen ihn: rund 1,6 Milliarden Euro.
Die Pleite schien das Ende einer Ausnahmekarriere zu sein. Reppegather, zwei Meter groß und die Haare stets zum Pferdeschwanz gebunden, arbeitete sich empor vom Hauptschüler zu einem der mächtigsten Akteure der Immobilienbranche. Spektakuläre Luxusprojekte auf der Düsseldorfer Kö, der Hamburger Spitaler Straße oder dem Berliner Ku’damm machten ihn reich.
Reppegather umgab sich mit Promis wie Til Schweiger und Boris Becker, aber selbst hielt er sich vom Scheinwerferlicht fern. Er stehe lieber im Grundbuch als in der Zeitung, sagte Reppegather einmal. Er heiße ja nicht Benko.
René Benko, der österreichische Immobilieninvestor, mit dem Reppegather einst Deals einfädelte, sitzt heute im Gefängnis. Viele andere Projektentwickler sind im Zuge der Immobilienkrise von der Bildfläche verschwunden. Ganz anders Uwe Reppgather. Der Mann, der seine Investoren um Unsummen brachte, ist wieder groß im Geschäft.
Wie kann das sein? [Medium] hat über Monate Dokumente ausgewertet, in Reppegathers Umfeld geforscht, mit Investoren, Geschäftspartnern und langjährigen Weggefährten gesprochen. Die Recherche ergibt ein gespaltenes Bild.
Auf der einen Seite steht Reppegather als begnadeter Dealmaker, als geschickter Menschenfänger, auf der anderen Seite die kalte Mechanik eines rücksichtslosen Strategen. Dies ist die Geschichte seiner Vergangenheit. Und seines Comebacks.


I. Der Wolf of High Street

Der Ibiza-Deal war nur ein Baustein in einer ganzen Reihe auffälliger Transaktionen in Reppegathers Reich. Ehemalige Weggefährten schildern ein mutmaßliches Muster: Vermögenswerte sollen kurz vor dem Kollaps den Besitzer gewechselt haben – weg von den Gläubigern, hin zu Reppegathers familiärem Umfeld.
Reppegather lässt den Verdacht zurückweisen. Sämtliche Vorgänge seien „im Rahmen des Insolvenzverfahrens erörtert und geprüft“ worden, teilt sein Anwalt mit. Es gebe „keinerlei Anhaltspunkte“ für Vorwürfe. Seine Frau ließ einen Fragenkatalog unbeantwortet.
Inzwischen konnte Reppegather das Verfahren um seine private Pleite mit einem Insolvenzplan beenden. Sein Anwalt bestätigt dabei Widerstand im Kreis der Gläubiger: Einer legte Widerspruch ein, zog ihn später aber zurück. Am Ende stimmte eine Mehrheit für den Plan. Es ist ein Abschluss mit bemerkenswerter Arithmetik.
Eine Gesellschaft unter der Kontrolle von Reppegathers Frau steuerte 3,5 Millionen Euro zur Masse bei. Für die Gläubiger blieb eine Quote von 0,72 Prozent, also 11,5 Millionen Euro. Das Ergebnis: Den Reppegathers genügten 15 Millionen Euro, um sich Forderungen von 1,6 Milliarden Euro zu entledigen.
Reppegather gilt als schuldenfrei. Mit seiner Centrum-Gruppe darf er unter neuem Dach wieder eigenständig arbeiten. Zuletzt machte er mit Deals Schlagzeilen, die er noch während seiner Insolvenz angebahnt hatte: ein denkmalgeschütztes Objekt in der Münchener Maximilianstraße, Luxusimmobilien auf der Düsseldorfer Kö.
Reppegather macht seinem Spitznamen alle Ehre. Weil er die besten Innenstadtlagen wie sein Revier verteidigt, nennt ihn die Branche auch „Wolf of High Street“. Reppegathers Freunde loben seinen ungebrochenen Unternehmergeist: „Der Uwe hat es wieder einmal geschafft.“
Andere sehen Reppegathers Rehabilitation kritisch. „Wenn man sich anschaut, wie er weiterlebt, als wäre nichts geschehen, wie auch seine Frau weiterlebt – klar stößt das den Leuten auf. Klar fühlen die sich verarscht“, sagt ein Insider. „Da haben so viele Leute Geld verloren. Uwe muss sich doch mal fragen, auf wessen Kosten er so weitermacht.“


II. Ein Profiteur der deutschen Einheit

Uwe Reppegathers Aufstieg begann ohne Startkapital. 1964 in Hilden geboren, Kindheit im rheinländischen Langenfeld. Der Vater Techniker bei Henkel, die Mutter Datenverarbeiterin. In Interviews gab sich Reppegather später als ehemaliger Hauptschüler ohne Ziel.
Weggefährten beschreiben ihn als geldfixierten Workaholic. Er selbst formulierte früh seinen Antrieb: „So viel Geld zu verdienen, dass ich selber entscheiden kann, wann ich aufstehe und was ich tue.“
Seine Chance erkannte Reppegather nach der deutschen Wiedervereinigung. Tausende ehemalige DDR-Bürger und ihre Erben machten Rückübertragungsansprüche auf enteignete Immobilien geltend. Die Behörden kamen mit der Bearbeitung kaum hinterher, viele Antragsteller wollten ihr Geld sofort.
Reppegather und sein fünf Jahre älterer Bruder Wolfgang erkannten eine Marktlücke. Sie kauften Ungeduldigen ihre Ansprüche ab – mit satten Abschlägen als Preis für die gewonnene Zeit. Das Prinzip: günstig einsammeln, sanieren, mit Gewinn abstoßen.
1998 gründete Uwe Reppegather die Düsseldorfer Centrum-Gruppe. Sein Timing war perfekt: Ketten wie Esprit, New Yorker oder C&A fluteten die Einkaufsmeilen. Reppegather lieferte ihnen die passenden Flächen.
Auf der Düsseldorfer Kö kreuzten sich 2010 seine Wege mit René Benko. Gemeinsam kauften sie das Einkaufszentrum „Sevens“. Es war eine Allianz der Getriebenen, zwei Männer auf dem Weg nach ganz oben.
Ein Jahr später wollte das Duo auch die Warenhauskette Kaufhof übernehmen. Doch die Partner zerstritten sich. Und während Benko bald bekannt war wie kaum ein anderer Unternehmer, blieb Reppegather weitgehend unter dem Radar der Öffentlichkeit.


III. Das System Reppegather

Allerdings kannte auch sein Aufstieg wenig Bescheidenheit. Reppegather feierte Partys im Münchener Nobelclub P1, zu denen er während der Messe Expo Real einlud. Auf Fotos posierte er mal umringt von Frauen in Neon-Outfits, dann im orangefarbenen Longsleeve mit Cannabis-Blatt auf der Brust.
Auch privat suchte Reppegather die Bühne. Mehr als eine halbe Million Euro lieh er Tennisstar Boris Becker vor dessen Privatinsolvenz. Als Co-Produzent finanzierte er zudem Til Schweigers Film „One Way“. Im Gegenzug spielte er den mit Stachelkeule bewaffneten Türwächter „Mario“ in „1½ Ritter“.
Weggefährten beschreiben das „System Reppegather“ als ein Geflecht aus Loyalität und Belohnung. Der Unternehmer habe einen kleinen Kreis Vertrauter um sich geschart, die ihm seit Jahren die Treue halten.
Insider sagen, Reppegather halte sie mit Aufenthalten in der Villa auf Ibiza oder auf der fast 30 Meter langen Segeljacht „Dolphin Primero“ bei Laune. Manche sprechen von „Incentive-Reisen“.
Als sich der Einzelhandel zunehmend ins Internet verlagerte, bewies Reppegather erneut Geschäftsinstinkt. Früh steuerte er die Centrum-Gruppe vom klassischen Handel ins Luxussegment – eine Entscheidung, die Geldgeber bis heute als Weitsicht werten.
Beeindruckt waren die Partner nicht nur von Reppegathers Strategie, sondern auch von den Symbolen des Erfolgs. Auf der Expo Real parkten vor dem Centrum-Stand ein Mercedes-Benz 300 SL, ein McLaren Stirling Moss und ein Aston Martin DB5, bekannt als Dienstwagen von James Bond.
Die Liebe zu Luxusautos war etwas, das Reppegather mit seinem Bruder Wolfgang teilte. Seit den Tagen der Wiedervereinigung arbeiteten sie zusammen. Nun parkte in der Tiefgarage im Centrum-Gebäude im Düsseldorfer Medienhafen Insidern zufolge mal ein Bugatti Chiron, dann ein Mercedes-AMG One oder ein Lamborghini Centenario Roadster.
Die Fahrzeuge hätten die Reppegathers gekauft und anschließend verleast. Ähnlich sei es bei einer Bombardier Global Express gewesen, mit der der Centrum-Chef zu Terminen und auf Reisen geflogen sein soll. Der Jet bietet Platz für bis zu 14 Passagiere. Die Kennung: D-AUWE.


IV. Das Schicksalsprojekt am Ku’damm

So rasant Uwe Reppegather aufstieg, so steil war der Absturz. Über die Ursachen kursieren in seinem Umfeld zwei Versionen.
Insider beschreiben Reppegather als einen Unternehmer, der in der Niedrigzinsphase wie ein Patient am Tropf lebte – zu wenig Reserven, zu viel geliehenes Geld. Er habe sich in großem Stil Darlehen aus der Centrum-Gruppe gewährt.
„Uwe hat eine Burn-Rate jenseits von Gut und Böse“, sagt ein Weggefährte. Ein anderer: „Er hat immer wieder Substanz aus der Gesellschaft rausgezogen.“ Reppegathers Anwalt ließ Fragen dazu unbeantwortet.
Der Unternehmer selbst präsentiert eine andere Erzählung. Er spricht von einer Verkettung unglücklicher Umstände: explodierende Baukosten, Zinswende, verunsicherte Geldgeber – und schließlich der russische Angriff auf die Ukraine.
Zum Schicksalsprojekt wurde demnach das Berliner Ku’damm-Eck. Der Verkauf sollte die Befreiung bringen, doch der Deal zog sich, die Liquidität schmolz. Dann brach ein tragender Pfeiler weg.
Im Oktober 2022 starb Rainer Schaller, Chef der Fitnessgruppe McFit. Sie sollte Ankermieter im Ku’damm-Eck werden. Nach Schallers tödlichem Flugzeugabsturz zog sich sein Unternehmen aus dem Berliner Projekt zurück. Kaufinteressenten für Reppegathers Ku’damm-Eck wurden noch vorsichtiger.
Ende März 2023 forderte eine Bank eine Sondertilgung, die Centrum nicht mehr leisten konnte. Die Suche nach neuen Investoren scheiterte. Anfang Juli 2023 kollabierte das Immobilienimperium. Weil Reppegather persönlich für Bürgschaften haftete, riss ihn die Centrum-Pleite Mitte August 2023 mit in den Abgrund.


V. Das Ibiza-Manöver

Von nun an trafen sich Reppegather und seine Berater von der Kanzlei Schneider Geiwitz wöchentlich mit dem Düsseldorfer Insolvenzverwalter Peter Minuth zum Jour fixe. Das Ziel: ein Insolvenzplan, der den Unternehmer schnell schuldenfrei machen sollte.
Minuth unterstützte das Vorhaben. Doch jeder Insolvenzplan braucht die Zustimmung der Gläubiger. Aus diesem Kreis kamen Warnungen: Reppegather besitze Immobilien auf Ibiza, die im Insolvenzantrag fehlten.
Ein von Minuth beauftragter spanischer Anwalt stieß auf eine auffällige Transaktion: Im Mai 2023, kurz vor dem Zusammenbruch, hatte Reppegather das Familienanwesen und eine weitere Immobilie an seine Frau Vanda verkauft. Der Preis für beide Objekte: 8,7 Millionen Euro.
In Reppegathers Umfeld löste diese Summe Fassungslosigkeit aus. Insider sagen, sie seien „aus allen Wolken gefallen“. Allein der Hauptwohnsitz der Familie sei ein Vielfaches wert. „Das ist eine Parallelrealität“, sagt ein Weggefährte. „Das ist so verzerrt, das ist einfach Wahnsinn.“
Minuth teilte mit, der Verkauf sei der Gläubigerversammlung berichtet und gerichtlich erörtert worden. Gutachten hätten die Immobilienwerte gestützt.
Reppegathers Anwalt ließ auf Anfrage offen, warum sein Mandant die Objekte unmittelbar vor der Privatinsolvenz auf seine Frau übertrug. Er betonte, es sei „keine Gläubigerbenachteiligung festgestellt“ worden.


VI. Das Malediven-Rätsel

Reppegathers Ambitionen reichten bis in den Indischen Ozean. Auf der Atollinsel Kunnamalei wollte er einen Flughafen und ein Luxusresort errichten. Im Oktober 2022 sicherte er sich über eine Gesellschaft die Pacht für 50 Jahre, für 600.000 Euro per anno.
Die maledivische Regierung begrüßte die Pläne, ein niederländischer Partner investierte 7,5 Millionen Euro. Doch am 5. Juni 2023 – vier Wochen vor der Centrum-Insolvenz – schied Reppegather aus. An seine Stelle trat: seine Gattin Vanda.
Reppegather rechtfertigte den Verkaufspreis von nur 25.000 Euro mit angeblichen Verbindlichkeiten der Gesellschaft, die seine Anteile hielt. Dokumente, die den Wert und die Übertragung belegen, soll er dem Insolvenzverwalter laut dessen Bericht jedoch nicht vorgelegt haben.
Minuth antwortete nicht auf Fragen dazu. Reppegathers Anwalt betont, dass sich „in Kenntnis aller Tatsachen“ weder der Gläubigerausschuss noch die Gläubigerversammlung gegen die Anfechtung der Kaufverträge entschieden hätten.
Auch der Fuhrpark gab Rätsel auf. Gläubiger hätten den Insolvenzverwalter erst darauf aufmerksam machen müssen, dass ein Mercedes-Benz 300 SL Roadster existierte – ein Auto, das Reppegather Insidern zufolge heilig war. Ein Weggefährte sagt: „Der Mercedes wäre das Letzte, das Uwe hergeben würde“.
Gegenüber Minuth behauptete Reppegather, er habe den Oldtimer bereits vor mehr als zehn Jahren seiner Frau geschenkt. Unterlagen dazu? Angeblich nicht mehr vorhanden.
Tatsächlich soll Vanda Reppegather erst wenige Monate vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens einen Kauf- und Finanzierungsvertrag für das Auto geschlossen haben. Der Bürge: Uwe Reppegather. Sein Anwalt ging auf Fragen zu dem Wagen nicht ein.
Lückenhaft bleibt das Bild auch bei weiteren Wertsachen. Insider berichten von kostbarem Schmuck: mit Diamanten besetzte Armbänder, ein Saphirring, ein Smaragd. Reppegather habe zudem etliche Uhren von Rolex und Patek Philippe gekauft.
Laut seinem Insolvenzantrag besaß der Mann, der Milliarden bewegte, lediglich eine einzige Uhr: eine fünf Jahre alte Rolex Daytona im Wert von 12.000 Euro.
Reppegathers Anwalt teilte auf Anfrage mit, die Eigentums- und Besitzverhältnisse an den Schmuckstücken seien gegenüber Minuth „bereits bei Insolvenzantragstellung offengelegt und von diesem überprüft“ worden. Minuth antwortete nicht auf Fragen dazu.
Schließlich Reppegathers Segeljacht „Dolphin Primero“, festgemacht im Hafen von Palma de Mallorca. Noch 2020 bezifferte ein Gutachter ihren Wert auf 663.000 Euro.
Doch das Schiff zu verwerten, gestaltete sich schwierig. Reppegather soll einem Bangladescher Sicherungsrechte an der Segeljacht eingeräumt haben, im Gegenzug für ein Millionendarlehen.
Doch der Insolvenzverwalter erkannte die geltend gemachten Ansprüche am Ende nicht an – wohl auch, weil er Unregelmäßigkeiten in Dokumenten entdeckte.
Reppegathers Anwalt ließ Fragen dazu unbeantwortet. Minuth verkaufte die Jacht letztlich an einen Interessenten aus Nordrhein-Westfalen – für 175.000 Euro.


VII. Das Comeback auf der Kö

Wer Reppegathers Einfluss verstehen will, muss über die Düsseldorfer Königsallee schlendern. Hier hat er das Prestigeprojekt Kö-Bogen II gebaut, hier finden sich andere Objekte, die Insider „Reppegathers Filetstücke“ nennen. Und hier begann auch sein Comeback.
Noch während seines Insolvenzverfahrens wurde der Kern der alten Centrum-Gruppe in eine neue Gesellschaft überführt. Reppegather hielt sich öffentlich bedeckt, doch im Hintergrund fädelte er bereits die nächsten Deals ein. Einer führte zur Königsallee 40, wo Gucci und Loro Piana residieren.
Am 26. August 2024 trennte sich Reppegather von 51 Prozent der Anteile an der Objektgesellschaft. Zwischenstation der Millionenanteile war eine Firma, die seiner zwölfjährigen Tochter gehörte. Von dort gingen sie weiter in den Besitz einer Gesellschaft der Commerz Real. Kaufpreis: 20 Millionen Euro.
Reppegathers Anwalt erklärte, der Umweg über die Tochter des Unternehmers sei mit Zustimmung des Insolvenzverwalters erfolgt.
Minuth verbuchte den Vorgang als Teil einer „Vergleichslösung“ mit Reppegathers Ehefrau Vanda. So sei ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag in die Insolvenzmasse der Centrum-Gruppe geflossen.
Ein paar Hausnummern weiter folgte der nächste Deal. Beim Eckhaus an der Kö 52 bis 54 wechselten die Besitzer in einer Abfolge, die selbst Insider staunen ließ: Reppegather schied im September 2024 aus, an seine Stelle trat Ehefrau Vanda.
Wenig später gründete Reppegathers Frau eine neue Gesellschaft. Die löste das Objekt im Dezember 2024 für 45,6 Millionen Euro aus der Insolvenzmasse der Centrum-Gruppe.
Die Objektgesellschaft – und damit auch die Kontrolle über die Kö-Immobilie – wechselte sodann in den Besitz des Luxusuhrenherstellers Rolex. Wie viel Geld die Reppegathers dabei verdient haben, lässt der Anwalt des Unternehmers offen.
In der Immobilienwelt wurde das Geschäft als Erfolg gefeiert. Das Maklerhaus Colliers schrieb vom „zweitgrößten Deal im Investmentmarkt“ binnen eines Quartals. Für die Branche war die Botschaft klar: Sollte Reppegather jemals weg gewesen sein – spätestens jetzt war er zurück.


VIII. Das 480-Millionen-Phantom

Zum Zeitpunkt seines Comebacks steckte Reppegather noch immer in seiner Privatinsolvenz. Um das Verfahren zu beenden, brauchte er die Zustimmung seiner Gläubiger. Unter ihnen fanden sich Freunde und Vertraute – aber auch Kritiker, die sich nicht mit einer Mini-Quote abfinden wollten.
Am 13. September 2024 wurde die MiHo Vermögensverwaltung GmbH in das Handelsregister eingetragen. Als Gesellschafter fungierten die Anwälte Holger Hamacher und Mirko Fritzsche – Juristen, die seit Jahren für Centrum und Reppegather tätig waren.
Die MiHo übernahm Forderungen der Centrum gegen Reppegather in Höhe von rund 480 Millionen Euro. Für einen Kaufpreis von gerade einmal vier Millionen Euro wurde die kleine GmbH zum größten Gläubiger im Verfahren.
Reppegathers Anwalt wies Vorwürfe im Zusammenhang mit der Transaktion zurück.
Hamacher und Fritzsche betonen auf Anfrage, dass die MiHo auf eigenes Risiko arbeite und einen marktgerechten Preis gezahlt habe. Woher das Geld für den Kauf der Forderung kam und welches Ziel sie mit der Transaktion verfolgten, beantworteten sie nicht.
Als Reppegather zwei Monate nach dem MiHo-Deal seinen Insolvenzplan vorlegte, sah der für Gläubiger eine Quote von 0,72 Prozent vor. Die 480 Millionen Euro Forderungen wären demnach nur noch rund 3,46 Millionen Euro wert.


IX. Die Göttin der Morgenröte

Die VR Vanoa Invest GmbH von Vanda Reppegather erklärte sich in dem Insolvenzplan bereit, 3,5 Millionen Euro beizusteuern – unter der Bedingung, dass sämtliche Anfechtungen gegen sie und die gemeinsamen Kinder fallengelassen würden.
Bemerkenswert ist der Millionentransfer, da die Anwälte von Schneider Geiwitz im Plan festhielten, dass Vanda Reppegather über „kein nennenswertes Vermögen“ verfügte.
Die Unterschrift auf der entsprechenden Verpflichtungserklärung für das Unternehmen von Vanda Reppegather lieferte: Ehemann Uwe.
Am 27. Januar 2025 stimmte die Gläubigermehrheit zu. Am 15. April hob das Amtsgericht Düsseldorf das Verfahren auf.
Reppegather war schuldenfrei.
Weniger als einen Monat später wurde im liechtensteinischen Handelsregister die UVR Aurora Beteiligungs GmbH mit Sitz in Vaduz eingetragen. In der römischen Mythologie ist Aurora die Göttin der Morgenröte – sie vertreibt die Nacht und bringt das Licht.
Geschäftsführerin der Aurora ist neben Reppegather die Anwältin Dunja Süssli. Auf der Website ihrer Kanzlei NSF wirbt sie mit ihrer Spezialität: der „Expertise in der Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen für vermögende Privatkunden“.
Reppegathers Anwalt betont, dass es einem Schuldner nicht verwehrt sei, nach Abschluss des Insolvenzverfahrens „seine Geschäftstätigkeit wieder aufzunehmen“. Genau das habe Reppegather getan, „ohne dass ihm hieraus ein Vorwurf gemacht werden kann“.
Im Oktober 2025 war auf Instagram ein kurzer Clip zu sehen. Er zeigte Reppegathers Frau Vanda auf der „Dolphin Primero“. Es war dasselbe Boot, das der Insolvenzverwalter zuvor an „einen Interessenten aus Nordrhein-Westfalen“ verkauft hatte.
Wie kann das sein? Nach Darstellung von Reppegathers Anwalt erklärt sich der Vorgang so: Der Käufer sei von den Unterhaltskosten überrascht worden, habe das Schiff rasch weiterveräußert. Der neue Eigentümer ist nun wieder der alte: Uwe Reppegather.

Einschübe

Uwe muss sich doch mal fragen, auf wessen Kosten er so weitermacht.
Insider

0,72 Prozent – so hoch war die Quote, die Uwe Reppegathers Gläubigern am Ende blieb.